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Ganz nah am Feuer
Geschrieben von: Wilfried Hügli   
Mittwoch, den 03. November 2010 um 20:30 Uhr

Das Kommando des WVO legt grossen Wert auf eine praxisnahe Ausbildung seiner Feuerwehrleute. Im Ausbildungszentrum Andelfingen (AZA) stehen dazu der Realität nahe Übungsplätze zur Verfügung.

 

Andelfingen_2010_09

Schon in aller Hergottsfrühe, noch vor Sonnenaufgang, hatten sich die Atemschutzgeräteträger im Magazin einzufinden. Pünktlich zur Wegfahrt, wenn auch noch verschlafen, waren alle beim Appell anwesend. Pflichtbewusst ausgerüstet mit der persönlichen Schutzbekleidung und dem Atemschutzgerät. Die Fahrt führte mit den eigenen Feuerwehrfahrzeugen über die neue Miniautobahn ins Ausbildungszentrum des Kantons Zürich nach Andelfingen.

 

Bereits waren Teile der Wehren von Neuhausen, Thayngen, der Verbandsfeuerwehr Oberer Reiat, sowie der Betriebsfeuerwehr Rhyfall vor Ort. Insgesamt nahmen 60 Teilnehmer, davon 24 vom WVO, an dieser Üung teil.
Die bewusst unter den Wehren gebildeten gemischten Arbeitsgruppen zeigten die Vielfalt der verschiedenen Schutzbekleidungen und Helmarten auf. Einzig die Atemschutzgeräte stammten von einem Lieferanten und ermöglichten dadurch eine einheitliche Ausbildung und Austauschbarkeit unter den Feuerwehrleuten.
Die Trupps wurden von den Postenchefs in Empfang genommen, instruiert und sofort in den Einsatz geschickt. An allen Übungsplätzen loderten  Feuerstellen aus brennendem Holz und Düsen der Gasinstallationen. Dazu färbte sich gerade an diesem Morgen der Himmel im schönsten Morgenrot und gab diesem ersten Treiben eine besonders gespenstische Note.

 

In den Gruppen waren auch Frauen zu finden, die den schweren Einsatz in nächster Nähe der Feuer nicht scheuten. Schon das Gewicht der persönlichen Schutzbekleidung von ca. 8 Kg, und die auf den Rücken geschnallten Atemschutzgeräte von ca. 14 Kg belasteten und hinderten die gewohnte Bewegungsfreiheit. Die engen Treppenanlagen, tiefen Keller, das Klettern auf Stahlgerüstbühnen, aber auch die Rettungsvorgänge direkt am Feuer unter starker Hitze und Raucheinwirkung steigerten die körperlichen Belastungen noch zusätzlich. Dazu mussten die wasserführenden Löschschläuche über alle Hindernisse, kriechend oder gebückt, nach vorne ans Feuer geschleppt und gezerrt werden. Die Bekleidungen blieben bei den Löscheinsätzen nicht lange trocken, und trotz Atemschutzmasken zeigten sich in den von Rauch geschwärzten Gesichtsteilen erste Schweissperlen und Furchen der körperlichen Belastungen.

 

Bei einem Teil der Übungsplätze sind sehr realistisch Industriekomplexe nachgebildet, ausgerüstet mit Gasbefeuerungsstellen. Von einem Operator gesteuert können immer wieder neu Feuer entfacht und Rückzündungen nachgebildet werden. In übereinandergeschichteten Containern waren Räume und Treppen eingebaut, und an mehreren Stellen durch Holzbefeuerung verschiedene Brandfälle anzutreffen. Die extra dafür abgestellten Helfer hatten alle Hände voll zu tun um brennendes Material nachzuschieben.

 

Hier in Andelfingen konnten die Feuerwehrleute die macht des Feuers, die Hitze, den Rauch sowie das sich in heissen Dampf verflüchtende Löschwasser hautnah erleben. Dabei galt es ohne Angst aber mit Respekt den Kampf gegen die verschiedenen Brandfälle aufzunehmen. Vieles war in Trockenübungen x-mal instruiert worden und jetzt galt es, unter beinahe Ernstfallbedingungen, sich den stets ändernden Situationen anzupassen. Gefragt war die Kameradschaft im Trupp, die Feuer gemeinsam zu bekämpfen. Nur solche Übungsanlässe geben den Feuerwehrleuten die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und an Fehlern  sofort zu lernen.

 

Die für den Übungsablauf Verantwortlichen hatten zusätzlich eine logistische Meisterleistung zu vollbringen. Während der Abwesenheit der Wehren stellten Nachbarwehren die Einsatzbereitschaft für ihr Einsatzgebiet sicher. Im Weiteren mussten während den Übungseinsätzen laufend gefüllte Atemschutzflaschen nachgeschoben werden. Insgesamt zwanzig Helfer sorgten für einen reibungslosen Betrieb der sieben Posten.
Um jeweils nach Einsätzen den Durst zu löschen, waren überall Getränkedepots aufgestellt und auch für eine Znünipause war gesorgt. Für die Mittagsverpflegung sorgte  Bernhard Hänzi mit seinem Team.  Am grossen Spiess drehte während mehreren Stunden ein Spanferkel. Zur genau angesetzten Mittagszeit konnte jeder Teilnehmer ein schmackhaftes Mittagessen schöpfen und sich an einem guten Stück Fleisch vom Spanferkel erfreuen.
Nach Abschluss der Übung hatten alle Feuerwehren wieder ihre sofortige Einsatzbereitschaft erstellt.

 

Die Übungsteilnehmer des Wehrdienstverbandes Oberklettgau nahmen mit Genugtuung vom überraschenden Besuch mehrerer Behördevertreter (Gemeindepräsident, Gemeinderäte, Einwohnerräte) aus ihren Wohnorten Kenntnis. Unter der Führung von Kdt Patrick Sauzet wurden Ihnen in kompetenten Ausführungen die Übungsanlagen gezeigt und sie konnten Ihre Feuerwehrleute im Einsatz miterleben sowie auch sprechen. Damit sehen sie auch wie gesprochene Steuergelder in sinnvoller Weise eingesetzt werden.