Im Notfall: 118

Feuer und Feuerwehr

Wenn es dereinst brannte, dann war das Unglück groß, Versicherungen fehlten oder waren ungenügend. Brände aber waren viel häufiger als heute.

1869 brannte es im Kehlhof; es waren sieben Brandgeschädigte. 1879 wurden bei der Brunst im Unterdorf fünf Familien obdachlos. 1875 war das 1852 erbaute Färberwieslihaus abgebrannt, 1876 die heutige «alte Post», 1894 die «Sonne». Dann entstand um die Jahrhundertwende der «Brandplatz» gegenüber dem Gemeindehaus, über die Brandursache ist aus den Protokollen nichts zu erfahren. Aber die Brandgefahren kann man aus Bussenverfügungen ersehen. Da gab es Kamine, die an Balken und Brettern anstiessen, ja solche, durch die Balken gezogen waren. Zum Räuchern des Fleisches platzierte man Holzbengel ins Kamin, das war nicht ganz harmlos, und schon 1839 versprach man, dass denjenigen, die eiserne Bengel anschaffen wollten, dieselben von der Gemeinde gratis geliefert würden. Der Kaminfeger war oft auch liederlich und tat seine Pflicht liederlich oder gar nicht.

Oft und oft wurden Bürger bestraft, weil sie auf dem Ofen Hanf dörrten. Eine unausrottbare Gefahr war der Gluthafen. In ein irdenes Gefäss wurden Kohlen gefüllt, mit deren Glut erreichte man das, was heute der Strahler besorgt: Wärme in der Übergangszeit oder Ergänzung der Ofenwärme.
Wie leicht sprang da ein Funke über und wurde zum Unglück.

1869 wurde z. B. eine Frau gebüsst, und zwar um Fr 4. -, weil sie den Gluthafen nicht schnell genug hatte verschwinden lassen, als der Landjäger seine Nase in die Stube steckte.

Beschlagener war jene Frau, die bei der Spinnstubete die Feuerschau kommen sah. Schnell setzte sie sich mit ihren weiten Röcken über das verbotene Ding und entging so der Strafe.

Wenn ein Brandunglück geschehen war, dann war es selbstverständliche Pflicht des ganzen Dorfes und der Nachbarn, dass geholfen wurde. Die Geschädigten erhielten oft einen amtlich bewilligten Brandbrief, mit dem konnten sie von Dorf zu Dorf ziehen und milde Gaben heischen.
Die Geschädigten von 1869 wollten keine öffentliche Sammlung. Einem Gauner in der Stadt gelang es aber, in ihrem Namen in den eigenen Sack zu sammeln. Indessen steuerten die Löhninger in freundnachbarlicher Weise 18 Malter Fäsen, 4 Sester Gerste, 2 Sester Weizen und Fr. 28. - an Geld.
Umgekehrt hat Beringen den Brandgeschädigten von Löhningen 1874 damit geholfen, dass ihnen erlaubt wurde, 600 Wagen Steine am Bibrich zu brechen.

Unsere Feuerwehr rückte oft auch zur ersten Hilfe nach auswärts aus. 1862 ging es nach Osterfingen. Der Gemeinderat musste allerdings «etwa 18 Knaben verwarnen», weil sie nicht dorthin geeilt. 1863 zogen unsere Mannen sogar nach Stein am Rhein. Vier Stunden nach ihrer Heimkehr wurden sie nach Schleitheim alarmiert. Nach diesen Brandfällen musste der Gemeinderat allerdings verschiedene Feuerwehrleute vorladen. Beim Brand in Schleitheim hatten viele gefehlt, und in Stein am Rhein hatten sich zwei von der Arbeit gedrückt. Der eine brachte vor, er habe am Morgen kräftig gearbeitet, aber am Mittag habe er das Städtchen ein wenig angesehen, weil er noch nie dort gewesen sei.

Um 1850 war die hiesige Feuerwehr wie folgt organisiert: Es gab zwei Spritzenmannschaften, dazu die drei Rotten. Die Rotten hatten mit Bücki Wasser zu tragen, sie mussten die Feuerleitern bedienen und die Feuerhaken. Schliesslich gab es noch Windlichtträger, Hornbläser, Feuerläufer und Feuerreiter. 1869 wurde, nach dem Vorbild von Schleitheim, ein Flöknerkorps gebildet. (Flöken = retten).

Der Müller hatte im Notfalle die Pflicht, den Weiher ablaufen zu lassen, an gegebenen Orten wurde dann der Dorfbach gestaut. Wasserreserven waren auch 1847 die Teuchelgrube und der Feuerweiher beim «Adler». Letzterer wurde beim Bau des «Adlers» eingedeckt.

Oft mussten freiwillige Helfer eingespannt werden. Vorschrift war, dass in jedem Haushalt ein Feuerkübel bereit stand. Der lederne Eimer war das Produkt des Schuhmachers und fasste etwa 10 Liter. Der Gemeinderat kontrollierte von Zeit zu Zeit dessen Vorhandensein. Die Freiwilligen stellten sich nun in zwei Reihen auf. Die eine gab die vollen Kübel vom Bach zur Spritze, die andere reichte die leeren Kübel zurück. Im Wechsel geschah diese nicht leichte Arbeit.

Die Feuerhaken und Feuerleitern hingen zum Teil an der Kirchenmauer, zum Teil an Privathäusern, immer griffbereit. So wurde 1864 dem Johann Schwyn aufgegeben, an seinem Haus neue Nägel anzubringen, dass man Feuerleitern aufhängen könne. Schon vorher aber hatte man den Maurern und Zimmerleuten verbieten müssen, die Feuerleitern für ihre Arbeit zu benützen.

1863 besass Beringen zwei Feuerspritzen. Sie waren fahrbar, und die eine, so beschloss der Gemeinderat, sollte mit einer vom Bock aus bedienbaren Bremse versehen werden. Die jüngere Mannschaft war der älteren, die ältere Mannschaft der neueren Spritze zugeteilt.
1869 wurde die Anschaffung einer dritten Spritze beschlossen. Drei Jahre darauf wurde so dann für ein neues «Löschinstrument» ein Kredit von Fr. 3500. - gewährt und dem Jakob Müller, Mechaniker in Löhningen, ein solches in Auftrag gegeben. 1877, fünf Jahre nach der Auftragserteilung, war die Spritze wohl fertig, aber nicht abgeholt. Müller reklamierte. Ihm wurde erwidert, die Expertise von Prof. Amsler lasse so lange auf sich warten. Der Gemeinderat mahnte den Herrn Professor öfters, immer und immer wieder wurde die Sache verschleppt. Zum Glück hat indessen auch das Feuer gewartet, wenigstens bis zum Brand im Unterdorf im Jahre 1879. Ob da die neue Spritze zum Einsatz kommen konnte ist nicht ersichtlich.

Uniformen und Helme gab es in alten Zeiten nicht. 1863 aber beschloss der Gemeinderat, Rottenführer und Spritzenkommandanten sollten rote Armbinden mit aufgenähten Buchstaben erhalten, und zwar: GB 1., 2., 3. Rotte und GB 1. und GB 2. Spritze.

Die Windlichtträger waren für ihre Laternen verantwortlich. Wenn ihnen deren Reinigung befohlen wurde, dann wurde ihnen auch gleich 1/2 Mass Wein zugesprochen.

Die Feuerreiter, zwei an der Zahl, waren von der Nachtwache befreit. Sie ritten um Hilfe und boten Hilfe an, sobald das Feuer Wenn sie über den Bann hinausreiten mussten, hatten sie 1868 Anspruch auf eine Entschädigung von Fr. 2.00.

Dass die Mannschaft nicht aus der Übung kam, hielt man alle Jahre die Spritzenprobe ab. Althergebracht fiel der Akt auf den Auffahrtstag, 1867 wurde er auf den Chilbimontag verlegt. Bis anhin hatte nach der Probe jeder ein 1/2 Mass Wein und ein 1/2 Pfund Brot erhalten, jetzt wurde dies abgeschafft. Das war vielleicht der Grund, dass im folgenden Jahr der Gemeinderat mit der Spritzenprobe gar nicht zufrieden war. Er drückte sein Missfallen über die letzte Musterung
aus und hielt fest, das ganze Manöver habe eher einem Fastnachtspiel geglichen. Er drohte für die Zukunft mit Strafen. Ein Bürger meinte dazu: "Die Leute haben halt die Kirchweih im Kopf.»
Der Gemeinderat hielt Wort. Im folgenden Jahr, 1869, strafte er. Einer war, als die Spritzenprobe um ein Uhr begonnen hatte, müde vom Acker gekommen. Geschwind hatte er sich mit dem Bücki auf den Sammelplatz begeben, hatte sich gemeldet und war dann zum Mittagessen gegangen. Nach dem Essen hatte er endlich seine Pflicht tun wollen, aber da war die Probe schon vorbei gewesen. Ein anderer war mit unbrauchbarem Bücki zur Probe gekommen und dann einfach wieder nach Hause gegangen. Statt seinem eigenen Bücki hatte er dasjenige seines Nachbarn umgehängt, und das war "verläche». Beide Übeltäter wurden mit je 50 Rappen gebüsst.

Alljährlich an der Neujahrsgemeinde wurde die Feuerordnung verlesen. Den heutigen Feuerwehrkursen entsprachen wohl die ehemaligen Feuerwehrtage oder auch Feuerwehrfeste genannt. 1872 delegierte Beringen 7 Mann bei Fr. 2.- Tagesentschädigung nach Schaffhausen. Spätere Tage fanden 1877 in Neuhausen, 1890 in Wilchingen, 1892 in Thayngen statt, immer waren unsere Leute dabei, und dass sie nicht aus dem Rahmen fielen, wurden die Kommandanten und Chefs der Feuerwehr Beringen 1896 mit Feuerwehrhüten und Gradabzeichen ausgestattet.

Auszug aus „Beringen unser Dorf“ – Skizzen aus dem Leben der Gemeinde im 19. Jahrhundert - von Ewald Rahm